Am 10. Juli 1927 im Arbeiterbezirk Floridsdorf gegründet, war und ist die Studentenverbindung Kreuzenstein ein Verein von Männern mit katholischer und österreichischer Gesinnung. Neben der Tätigkeit in der Verbindung gestalten wir auch das Pfarr- und Bezirksleben mit. Katholisches Christentum, die Liebe zum österreichischen Vaterland, das Streben nach einem Schulabschluss mit dem Maturazeugnis und die lebenslange Freundschaft unter den Mitgliedern, auch Bundesbrüder genannt, kennzeichnen die Grundzüge des Zusammenseins der Kreuzensteiner. Diese vier Prinzipien bilden die Basis für die Gemeinsamkeit aller Menschen, die sich im MKV vereint haben, und heißen auch: religio, patria, scientia und amicitia.

Budenbau Michtnergasse

Mittelschülerverbindungen haben sich trotz gesetzlichen Verbotes in ganz Österreich bereits seit den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts etabliert. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde dieses Verbot aufgehoben und damit die Gründung vieler weiterer Verbindungen ermöglicht. In den verschiedenen Regionen Österreichs wurden laufend Studentenverbindungen für katholische Mittelschüler gegründet. Nur Floridsdorf, obwohl seit 1900 mit einem Gymnasium versehen, war ohne couleurstudentisches Leben. Unter Couleurstudententum verstehen wir die Aktivitäten von Menschen, die sich mit Band und Mütze zu den bereits oben erwähnten Prinzipien bekennen.

Im Juli 1927 war es dann soweit. Unter der Führung von Dr. Julius Kallus gründeten vier Männer die katholisch österreichische Studentenverbindung Kreuzenstein für das Gymnasium in Floridsdorf. Bis heute übrigens ist das Gymnasium in der Franklinstraße 21 das Zentrum des Wirkens der Kreuzenstein. Wir machen junge Schüler mit den Prinzipien der Verbindung bekannt und begeistern sie für die Ideale eines Lebens, das sich an unserem Gedankengut ausrichtet.

Beharrlichkeit, Grundsatztreue und Gestaltung

Die junge Verbindung wuchs rasch und etablierte sich in Floridsdorf mit Tanzschule, Redoute und öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen, wie Diskussionen oder Pfarrmitarbeit. Bald jedoch wurde das Leben der Korporation nicht nur von der österreichischen Realität in der Zwischenkriegszeit, sondern auch von den europäischen Gegebenheiten eingeholt. Der Nationalsozialismus bedrohte Europa. Dr. Julius Kallus hatte schon längst erkannt, dass diese Ideologie auf Krieg und Diktatur ausgerichtet war. Wir sind unseren Vorvätern noch heute dankbar, dass sie bereits im Juni 1933 (!) einen klaren Trennungsstrich gezogen haben. Seit damals war beschlossen und klar, dass kein Kreuzensteiner der NSDAP oder einer ihrer Unterorganisationen beitreten oder in ihnen mitarbeiten durfte.  Das musste die Korporation – dabei handelt es sich um eine andere Bezeichnung für Verbindung – nach dem Anschluss im März 1938 bitter bezahlen. Beinahe sämtliche Verbindungsgegenstände, Protokollbücher und sonstige Abzeichen wurden von den SA-Horden in der Nacht des Anschlusses vernichtet. Seine Überzeugung und sein Eintreten gegen den Nationalsozialismus führten dazu, dass Dr. Julius Kallus im ersten so genannten Prominententransport ins Konzentrationslager nach Dachau verschickt wurde.  Einige Bundesbrüder mussten ihr Leben im Zweiten Weltkrieg lassen, das Verbindungsleben war von den Nazis zerstört worden – eine katholische und nach demokratischen Richtlinien aufgebaute Organisation, die sich zu Österreich bekannte, hatte im totalitären Gesellschaftsanspruch der Nazis keinen Platz.

Mit dem Kallusweg am Bisamberg ehrte die Stadt Wien vor wenigen Jahren das patriotische Wirken unseres Gründers.

Wiederaufbau, Grundsatztreue und Aufbruch in den Gesamtverband

Bereits zu Beginn des Jahres 1946 nahm die Kreuzenstein ihr Verbindungsleben wieder auf. Die Mitarbeit in den vielen Pfarren des 21. Wiener Gemeindebezirks, die Tanzschule, der Kreuzensteinball und viele öffentlichkeitswirksame kulturelle und politische Veranstaltungen schärften das Bild der Verbindung für die Bewohner von Floridsdorf.



In den Folgejahren traten viele Gymnasiasten der Verbindung bei, Kreuzenstein wurde eine der größten Korporationen im Österreich weiten Gesamtverband, dem Mittelschüler-Kartell-Verband (MKV). Der Zustrom der Obermittelschüler riss nicht ab, Kreuzenstein begann, sich auch jenseits der eigenen Verbindungsgrenzen zu engagieren. Wir übernahmen Aufgaben im MKV und im Europäischen Kartellverband (EKV). So organisierte unsere Verbindung 1962/63 den so genannten Pennälertag des MKV in Wien und richtete 1983 das 50jährige Jubiläum des MKV aus. Bereits seit dem Beginn der schulpolitischen Aktivitäten des MKV in den späten 50er Jahren waren Kreuzensteiner als Schulpolitiker, Elternvertreter und Aktivisten für eine starke Schülervertretung tätig – Aktivitäten, die bis heute andauern. Die Verbindung hat sowohl die Schule in Floridsdorf als auch das dortige Gemeinschaftsleben bis zum Ende des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus entscheidend mit geprägt. Mit Stolz vermerken wir, dass viele unserer Mitglieder in bedeutenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und religiösen Funktionen tätig waren und sind.



Gesellschaftlicher Umbruch und Reaktion

Als katholische Studentenverbindung setzt sich Kreuzenstein mit den jeweiligen Zeitströmungen intensiv auseinander. Wir haben ein konservatives, wertebewahrendes und christlich-sozial geprägtes Weltbild, sind aber für viele Informationen und Entwicklungen offen! Ob es das „68-er Jahr“ mit seinen gesellschaftspolitischen Umbrüchen oder die technologische Revolution war, ob es sich um schulpolitische Umwälzungen oder ideologische Neubewertungen handelt – wir beobachten alles genau und prüfen, ob sich die Ergebnisse mit unseren Werten im Einklang befinden können. Manches akzeptieren wir, manches müssen wir mitunter verwerfen.

Unbestritten bleiben jedenfalls unsere vier Prinzipien: religio – patria – scientia – amicitia! Sie gelten für uns heute und in der Zukunft, ebenso wie unser Wahlspruch: Gott – Ehre – Freiheit – Vaterland – Kreuzenstein!